Friday, March 16, 2012

Max und Moritz, by Wilhelm Busch - Full Text

Max und Moritz

eine
Bubengeschichte
in
sieben Streichen
von
Wilhelm Busch.
Dreiundfünfzigste Auflage
1906
München
Verlag von Braun und Schneider.
Titelblatt


Vorwort.

Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Max und Moritz
Welche Max und Moritz hießen.
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten. —
— Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit! —
— Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen —
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle. —
— Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!! —
— Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging.
— Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.

Erster Streich.

Mancher gibt sich viele Müh'
Mit dem lieben Federvieh;
Einesteils der Eier wegen,
Welche diese Vögel legen,
Zweitens: Weil man dann und wann
Einen Braten essen kann;
Drittens aber nimmt man auch
Ihre Federn zum Gebrauch
In die Kissen und die Pfühle,
Denn man liegt nicht gerne kühle. —
Witwe Bolte
Seht, da ist die Witwe Bolte,
Die das auch nicht gerne wollte.
Drei Hühner und ein Hahn
Ihrer Hühner waren drei
Und ein stolzer Hahn dabei. —
Max und Moritz dachten nun:
Was ist hier jetzt wohl zu tun? —
— Ganz geschwinde, eins, zwei, drei
Schneiden sie sich Brot entzwei,
In vier Teile jedes Stück
Wie ein kleiner Finger dick.
Diese binden sie an Fäden,
Übers Kreuz, ein Stück an jeden,
Vier Brotstücke
Und verlegen sie genau
In den Hof der guten Frau. —
Da kommen sie
Kaum hat dies der Hahn gesehen,
Fängt er auch schon an zu krähen:
Kikeriki! Kikikerikih!!
Tak, tak, tak! — da kommen sie.
... und schlucken das Brot
Hahn und Hühner schlucken munter
Jedes ein Stück Brot hinunter;
Keines kann von hinnen
Aber als sie sich besinnen,
Konnte keines recht von hinnen.
Kreuz und Quer
In die Kreuz und in die Quer
Reißen sie sich hin und her,
... und in die Höh
Flattern auf und in die Höh',
Ach herje, herjemineh!
... auf den Ast
Ach, sie bleiben an dem langen,
Dürren Ast des Baumes hangen. —
— Und ihr Hals wird lang und länger,
Ihr Gesang wird bang und bänger.
noch schnell ein Ei
Jedes legt noch schnell ein Ei,
Und dann kommt der Tod herbei. —
Witwe Bolte in der Kammer
Witwe Bolte in der Kammer
Hört im Bette diesen Jammer:
... tritt heraus
Ahnungsvoll tritt sie heraus,
Ach, was war das für ein Graus!
... und trauert
»Fließet aus dem Aug', ihr Tränen!
All' mein Hoffen, all' mein Sehnen,
Meines Lebens schönster Traum
Hängt an diesem Apfelbaum!«
nimmt die Toten ab
Tiefbetrübt und sorgenschwer
Kriegt sie jetzt das Messer her,
Nimmt die Toten von den Strängen,
Daß sie so nicht länger hängen,
und kehrt zurück
Und mit stummem Trauerblick
Kehrt sie in ihr Haus zurück.

Dieses war der erste Streich,
Doch der zweite folgt sogleich.

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